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Brief an Kofi

In einer unserer ersten Sitzungen haben wir beschlossen, uns an den UN-Generalsekretär Kofi Annan zu wenden, um ihm unsere Sache zu erläutern und Tips für die weitere Vorgehensweise einzuholen. Folgenden Brief hat der Vorstand formuliert:

Sehr geehrter Mr. Annan,

wir wenden uns mit diesem Brief an Sie, weil wir ein außergewöhnliches Anliegen haben, bei dem wir Ihren Rat und Ihre Unterstützung benötigen.
Wir haben uns als Initiative organisiert, mit dem Ziel, unsere Heimatgemeinde Fürth im Odenwald von der Bundesrepublik Deutschland abzuspalten und als eigenen Staat zu installieren. Auf unsere Beweggründe werden wir im weiteren Verlauf dieses Schreibens noch näher eingehen.

Zunächst einmal möchten wir in aller Deutlichkeit festhalten, dass wir eine friedliche Trennung von der Bundesrepublik anstreben und niemals militärische Mittel oder Gewalt zum Erreichen unserer Ziele einsetzen werden.
Die endgültige Entscheidung über die Loslösung unserer Heimat von Deutschland soll durch einen demokratischen Bürgerentscheid gefällt werden, dessen Ablauf natürlich von neutralen, internationalen Beobachtern überwacht wird, um jedem Verdacht der Manipulation entgegen zu treten. Sollte die Mehrheit unserer Mitbürger in Fürth gegen unser Vorhaben stimmen, werden wir unsere Initiative sofort auflösen und uns mit dieser Situation arrangieren.

Der "Freistaat" Fürth im Odenwald wird, sollte er gegründet werden, die Achtung der Rechte aller Menschen als oberstes Prinzip pflegen. Wir wollen eine soziale und gerechte Form des Zusammenlebens für alle Bürger, in Einklang mit den ureigensten Grundlagen der Vereinten Nationen, erreichen.
Aus diesem Grund wenden wir uns an Sie, sehr geehrter Mr. Annan: für uns wäre es wichtig zu wissen, welche Bedingungen unser geplanter Staat erfüllen muss, um von den Vereinten Nationen, der UNO und allen anderen vergleichbaren Organisationen anerkannt zu werden. Uns liegt sehr viel daran, ein akzeptiertes Mitglied in der friedlichen Gemeinschaft aller Völker zu sein, weshalb wir jeden möglichen Fehler in dieser Hinsicht vermeiden wollen.

Uns allen fällt der Schritt, uns von dem Land loszusagen in dem wir aufgewachsen sind, nicht leicht. Jedoch mehren sich gerade in den letzten Jahren und Monaten die Anzeichen dafür, dass wir unsere Lebensziele und Wünsche in diesem Staat nicht mehr realisieren können. Angefangen damit, dass uns niemand unsere Versorgung im Alter garantieren kann. Immer mehr von unserem, in ehrlicher Arbeit verdienten, Geld müssen wir an den Staat abgeben, ohne adäquate Gegenleistungen zu erhalten.

Die großen Parteien, die unser Land regieren sollen, beschäftigen sich ausschließlich damit, sich gegenseitig die Schuld zuzuweisen und politische Gegner zu diffamieren. Konstruktive Politik, die der Bundesrepublik Deutschland aus der Krise (wirtschaftliche Rezession, steigende Arbeitslosigkeit, Verrohung der gesellschaftlichen Sitten) helfen könnte, findet schon lange nicht mehr statt. Einziges Ziel der politischen Parteien ist die Machterhaltung, beziehungsweise -beschaffung, ohne Rücksicht auf die Belange der Menschen, die sie eigentlich vertreten sollen.

Dies ist nur ein Teil der Fakten, die es uns immer schwerer machen, uns mit diesem Staat zu identifizieren. Nach sorgfältiger Abwägung sind wir zu dem Schluss gelangt, dass ein weiteres Festhalten an der Bundesrepublik Deutschland uns, und unserer Heimatgemeinde Fürth im Odenwald, mehr Nach- als Vorteile bringen würden. Im übrigen richtet sich unsere Initiative ausdrücklich nicht gegen die Kommunalpolitiker in den gemeindlichen Gremien von Fürth. Sie versuchen für ihre Heimat das Beste zu erreichen, müssen aber gegen ein festgefahrenes System ankämpfen, in dem die kommunale Selbstverwaltung nur noch auf dem Papier existiert .

Da wir Sie, sehr geehrter Mr. Annan, sehr schätzen, hoffen wir, dass Sie unseren Brief lesen und uns in unserem Anliegen weiterhelfen können. Wir wissen, dass Sie ein vielbeschäftigter Mann sind. Dennoch würden wir uns über eine Antwort von Ihnen sehr freuen. Gerne laden wir Sie zu einem Gedankenaustausch in Rahmen unserer regelmäßigen Treffen im Gasthaus "Zum Anker" in Fürth im Odenwald ein. Im Gespräch lassen sich manchen Dinge vielleicht besser darstellen und erläutern.